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Abnorme Krebsvorsorge-Resultate der Cervix uteri werden von Patientinnen nicht verstanden und lösen Ängste aus - wie kann Abhilfe geschaffen werden?

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Women's understanding of abnormal cervical smear test results: a qualitative interview study.

Kavanagh A. M., Broom D. H. , BMJ 1997; 314: 1388-1391.

1. Fragestellung

Wie erleben Frauen die Diagnosemitteilung und Therapie bei Anomalien im zervikalen Krebsvorsorgeuntersuch (PAP-AbstrichKnipsbiopsie), und was kann verbessert werden?

2. Studiendesign

Qualitative Studie mittels halbstrukturiertem Interview.

3. Ort der Studie

Drei private Frauenambulatorien und ein Frauenambulatorium der öffentlichen Hand in Canberra, Australien.

4. Patientinnen

29 erwachsene Frauen mit abnormen PAP-Abstrich-Befunden der Cervix uteri (vom simplen HPV-Infekt bis zur CIN III), die behandelt wurden. Karzinompatientinnen wurden ausgeschlossen.

5. Messparameter

Der Stellenwert der Diagnose und das Informationsbedürfnis der Patientinnen.

6. Methode

Fragen zu folgenden Themen wurden in einem semistrukturierten Interview an die Patientin gestellt: Erfahrungen mit dem behandelnden ArztÄrztin*, Verständnis und erhaltene Erklärung der abnormen Zervix-Befunde, Wahrnehmung der eigenen Portio uteri, Wahrnehmung der Kontrollmöglichkeit, wie das Leben durch die Diagnose und Behandlung beeinflusst wurde. Rückmeldung der Resultate und Diskussion mit den Patientinnen und den Ärzten.
* Im folgenden wird der Lesbarkeit wegen vom "Arzt" gesprochen, gemeint sind jedoch beide Geschlechter, die den Arztberuf ausüben.

7. Resultate

Frauen mit abnormen Befunden im PAP-Abstrich waren verwirrt und verängstigt und gaben an, nicht die Informationen bekommen zu haben, die sie brauchten. Als Ursachen wurden genannt: Gebrauch von Fachbegriffen (Dysplasie, Präkanzerose, Biopsie), die für Patientinnen unverständlich waren, Patientinnen fühlten sich unfähig zu fragen (vom Arzt vermittelter Zeitdruck, eigene Perplexität über den Befund, der mit Krebs und Tod assoziiert wurde, oder keine Gelegenheit zum FrVInformationen über die Häufigkeit und den Schweregrad ihres Befundes wurden vermisst. Die Patientinnen glaubten, an einer sehr seltenen und schlimmen Erkrankung zu leiden, da in der Öffentlichkeit und im Freundeskreis nicht über PAP-Veränderungen gesprochen wurde. Bei nicht ausreichender Information durch den Arzt wurde averbale Kommunikation zur "Abschätzung der Lage" herangezogen. Als Beispiel wurde die telefonische oder briefliche Benachrichtigung über den pathologischen PAP-Befund genannt, der die Patientinnen "Schlimmes erahnen" liess. Die Frauen fanden es schwierig, die Diagnose und das Procedere zu verstehen, wenn sie ihre eigene Zervix nie sahen und sich nichts Konkretes vorstellen konnten. Die meisten Frauen kritisierten einen Mangel an konkreter Information über Abklärungs- und Behandlungsablauf (z.B. Knipsbiopsie) und danach möglicherweise auftretende Blutungen oder Ausfluss.

8. Diskussion durch die Autoren

Die Autoren folgern, dass die meisten der Studienpatientinnen nicht die Informationen erhalten hatten, die sie brauchten. Gründe seien die etablierte Macht-Struktur einer Arztpraxis und der Zeitdruck, unter dem viele Ärzte stehen. Gestützt auf das Vorbild von Silvermann in der pädiatrischen Kardiologie, wird vorgeschlagen, eine Präkolposkopie-Klinik einzurichten. Gruppen von Frauen würden dabei durch einen Arzt und eine Krankenschwester betreut, wobei die Organisation entsprechend den Informationsbedürfnissen der Patientinnen gestaltet würde.

Kommentar

Qualitative Interview-Studien im Bereich der Arzt-PatientInnen-Beziehung sind sehr wertvoll, da sie den "blind spot" des Arztes in seinem Umgang mit der Patientin aufdecken können. Besonders wenn die Intimsphäre der Frauen betroffen ist, sind die Patientinnen häufig von einer "sprachlosen Angst" behaftet, und es fehlt ihnen das Vokabular zur Kommunikation (1). Die Ärzte nehmen dies aufgrund einer "déformation professionelle" häufig nicht (mehr) wahr. Weijts et al. (2) zeigtD-Zirka 9-10% aller konventionell manuell ausgewerteten PAP-Abstriche fallen kontroll- oder behandlungsbedürftig aus (nicht auswertbar oder PAP IIw-PAP IV). Bei der "Monolayer"-Auswertung (spezielle Abstrichtechnik und maschinelle Auswertung) sind es ca. 5%, aufgrund technischer Fortschritte (3). -Der Hinweis auf schriftliche Benachrichtigung innerhalb der folgenden z.B. 3-6 Wochen im kontroll- oder behandlungsbedürftigen Fall oder bei nicht auswertbarem Material sollte nicht fehlen. -Auch bei behandlungs- oder kontrollbedürftigen Resultaten liegt in den allermeisten Fällen kein Krebs vor. Bei regelmässiger Vorsorgeuntersuchung (1-2jährlich) dient der Vorsorgetest zur Erkennung von Vorstadien und nicht zur Krebserkennung. Falls man nicht behandelt, können sich diese Vorstadien in etwa 14 von 100 Fällen (4) innerhalb von 1-6 Jahren (CIN III, resp. CIN I) (5) zu einem Krebs entwickeln. Bei ca. 38 von 100 Frauen bilden sich diese Veränderungen (CIN II o--Bei Knipsbiopsien oder anderen diagnostischen oder therapeutischen Massnahmen muss berücksichtigt werden, dass jede Blutung ausserhalb der Regel auf die Patientin beunruhigend wirkt. Es genügt im allgemeinen, sie zu informieren, dass eine eingriffsbedingte Blutung normal ist, solange sie eine Menstruationsstärke und -dauer nicht übersteigt, und dass die Periodenblutung zum üblichen Zeitpunkt zu erwarten ist.

Bibliographie

  1. Olsson H. M., Gullberg M. T.: Role of the woman patient and fear of the pelvic examination. West J Nurs Res 1987; 9: 357-367.
  2. Weijts W., Widdershoven G., Kok G.: Anxiety scenarios in communication during gynecological consultations. Patient Educ Couns 1991; 18: 149-163.
  3. Moll C. et al.: Dept. für Pathologie, Universitätsspital Zürich. Konventionelle PAP-Abstriche im Vergleich zum "Monolayer"-System im Kollektiv des Universitätsspitals Zürich. Paper in submission.
  4. Miller A. B.: Control of carcinoma of the cervix by exfoliative cytology screening. In: Coppleson M., ed. Gynecologic oncology: fundamental principles and clinical practice. Edinburgh: Churchill Livingstone, 1981: 381.
  5. Richart R. M., Barron B. A.: A follow-up study of patients with cervical dysplasia. Am J Obstet Gynecol 1969; 105: 386.
  6. Syrjanen K. V., Kataja V., Vyliskoski M., Chang F., Syrjänen S., Saarikoski S.: Natural history of cervical human papilloma virus lesions does not substantiate the biologic relevance of the Bethesda System. Obstet Gynecol. 1992; 79: 675.
  7. Lorincz A. T., Reid R., Jenson A. B. et al.: Human papillomavirus infection of the cervix: relative risk associations of 15 common anogenital types. Obstet Gynecol 1992; 79: 328.

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Korrespondenzadresse: Dr. V. H. Dombi, Departement für Frauenheilkunde, Universitätsspital, 8091Zürich Prof. Dr. C. Buddeberg, Abteilung für Psychosoziale Medizin, Psychiatrische Poliklinik, Universitätsspital, 8091 Zürich


wwwadmin@hanshuber.com, 31. Dezember 1997