Evidence Based Medicine

Screening auf okkultes Blut im Stuhl führt zu einer Senkung der Mortalität bei kolorektalen Karzinomen

Randomised study of screening for colorectal cancer with faecal-occult-blood test.

Kronberg O., Fenger C., Olsen O., Sondergaard O. Lancet 1996; 348: 1467Ó71.

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Grundproblematik und Fragestellung

Ziel dieser randomisierten Kontrollstudie war es, durch Stuhluntersuchungen auf okkultes Blut in zweijährigem Abstand die Wertigkeit dieses Screeningverfahrens hinsichtlich einer Mortalitätssenkung bei kolorektalen Karzinomen (CRC) in der Allgemeinbevölkerung zu überprüfen.

Patienten und Methoden

Zwischen 1985 und 1995 wurden 137 485 Probanden im Alter zwischen 45-75Jahren in die Studie rekrutiert und randomisiert; als Ausschlusskriterien zählten ein bereits bekanntes CRC, Präkanzerosen als Risikofaktoren (z.B. Adenome) sowie die Teilnahme an einer zuvor durchgeführten Pilotstudie. 30 967 Probanden bildeten die Screeninggruppe gegenüber 30 966 Probanden in der Kontrollgruppe. 75 552 Personen wurden nicht in die Studie aufgenommen. Das Screening wurde mit dem Hämoccult-II-Test (ohne Rehydrierung, jedoch mit Diätvorschriften) durchgeführt, eine Fortsetzung des Screenings wurde nur nach absolvierter erster Testserie genehmigt. Eine Testserie bestand aus zwei Mustern von jeweils drei Stuhlproben. Bei positivem Befund wurden eine körperliche Untersuchung sowie eine totale Koloskopie angestrebt.

Ergebnisse

20 672 (67%) der Screeninggruppe führten die erste Testserie durch, die Compliance der folgenden vier Untersuchungen lag über 90%. 14 203 (46%) nahmen an allen fünf Testserien teil. Innerhalb des Beobachtungszeitraumes von 10 Jahren konnte bei 481 Probanden der Screeninggruppe und bei 483 Probanden der Kontrollgruppe ein CRC diagnostiziert werden, wobei der Anteil Dukes-A-Karzinome in der Kontrollgruppe signifikant niedriger war (11% vs. 22%, p<0,01). Gleichzeitig konnte an 331 gescreenten Probanden gegenüber 287 Kontrollpersonen eine kurative Operation durchgeführt werden (p<0,01). 205 Todesfällen durch CRC in der Screeninggruppe standen 249 Todesfälle in der Kontrollgruppe gegenüber - eine signifikante Reduktion der Karzinommortalität um 18% von 0,89% auf 0,73% (p=0,03).

Folgerung

Das CRC kann durch Screening auf okkultes Blut im Stuhl mit dem Hämoccult -II-Test in zweijährigem Abstand frühzeitig erkannt und somit die krankheitsspezifische Mortalität bei Personen mit durchschnittlichem Karzinomrisiko signifikant gesenkt werden. Obwohl der Screeningtest keinen diagnostischen Test mit einem hohen positiven Vorhersagewert darstellt, sollte er bis zur routinemässigen Verfügung sensitiverer Methoden als Vorsorgeuntersuchung konsequent empfohlen werden.

Kommentar

Trotz fortgeschrittener diagnostischer und therapeutischer Verfahren liegt den kolorektalen Karzinomen eine hohe Sterberate zugrunde. Die Prognose der Erkrankung hängt wesentlich vom Tumorstadium bei Erstdiagnose ab. Nach den Resultaten bisheriger Studien kann das CRC durch eine konsequente Vorsorgeuntersuchung frühzeitig erfasst werden. Die randomisierte Kontrollstudie von Kronberg et al. konnte - wie auch eine zeitgleich publizierte Studie aus Nottingham1 - erstmalig durch ein zweijähriges Screening auf okkultes Blut im Stuhl innerhalb der Allgemeinbevölkerung eine Senkung der CRC-Mortalität um 15-18% nachweisen. Der in beiden Studien verwendete nicht-rehydrierte Hämocculttest besitzt aufgrund einer Sensitivität von 50-80 eine limitierte Aussagekraft. Durch Rehydrierung der Stuhlproben lässt sich eine höhere Testempfindlichkeit erzielen, jedoch führt eine grössere Anzahl falsch-positiver Resultate zu einer erheblichen Zunahme der Koloskopierate wie auch der Kosten2.

Zweifellos wird der Anwendung der Stuhluntersuchung auf okkultes Blut zur Reduktion der Karzinommortalität durch ihre fehlende diagnostische Aussagekraft immer Grenzen gesetzt sein. Eine wirksamere Mortalitätssenkung lässt sich nur über Karzinomprävention erzielen, beispielsweise über endoskopisches Screening mit gleichzeitiger Abtragung kolorektaler Adenome. Jedoch scheint eine periodische Koloskopie der Gesamtbevölkerung ohne Vorauswahl durch einen einfachen Screeningtest kaum realisierbar. Ein möglicher Kompromiss im Sinne einer Risikostaffelung könnte darin bestehen, Personen mit erhöhtem Karzinomrisiko (familiäre Polyposis, kolorektale Adenome, langjährige Colitis ulcerosa, positive Familienanamnese) in regelmässigen Abständen, Personen mit durchschnittlichem Risiko ab dem 50. Lebensjahr zusätzlich zu dem Hämocculttest einmalig zu koloskopieren3.

Zusammenfassend kann durch Screening auf okkultes Blut im Stuhl in zweijährigem Abstand die krankheitsspezifische Mortalität des CRC in der Allgemeinbevölkerung gesenkt werden. Bis verfeinerte Testverfahren mit höherer Sensitivität routinemässig angeboten werden, sollte ein konsequentes Screening dringend empfohlen werden. Darüber hinaus verspricht eine molekulargenetische Stuhluntersuchung, Risikopersonen künftig besser erkennen zu können. Sie gehört derzeit jedoch noch nicht zum Standard in der Diagnostik des kolorektalen Karzinoms.

Literatur

  1. Hardcastle J. D., Chamberlain J. O., Robinson M., Moss S. R., Amar S., Balfour T., James P. D., Mangham C.: Randomised controlled trial of faecal-occult-blood screening for colorectal cancer. Lancet 1996; 348: 1472-77.
  2. Mandel J. S., Bond J. H., Church T. R. et al.: Reducing mortality from colorectal cancer by screening for faecal occult blood. N Engl J Med 1993; 328: 1365-71.
  3. Eckardt V. F., Kanzler G.: Prävention und Früherkennung kolorektaler Karzinome. Dtsch. med. Wschr. 1995; 120: 417-422.

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Korrespondenzadresse: PD Dr. J. Steurer, Departement für Innere Medizin, Medizinische Poliklinik, Universitätsspital, 8091 Zürich


wwwadmin@hanshuber.com, 25 August 1997