Evidence Based Medicine

Diagnose des Diabetes mellitus: Oraler Glukosetoleranztest oder HbA1c

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A clinical approach for the diagnosis of diabetes mellitus.
An analysis using glycosylated hemoglobin levels.
Peters A. L , Davidson M. B., Schriger D. L., Hasselblad V. JAMA 1996: 276: 12461252.

Ziel und Fragestellung der Studie

Ersetzt das glykosylierte Hämoglobin den oralen Glucosetoleranztest (oGTT) in der Diagnose des Diabetes mellitus.

Art der Studie

Metaanalyse

Patienten

Originaldaten von 11276 Patienten, meistens mit einem hohen Risiko für einen Diabetes mellitus, aus 18 von 34 publizierten Studien

Beschreibung des Testverfahrens

Glykosyliertes Hämoglobin und einmaliger oGTT

Hauptmessparameter

Sensitivität, Spezifität und positiver Voraussagewert von HbA1c im Vergleich zum oGTT

Hauptresultate

Nur Studien mit HbA1c wurden analysiert, da HbA1c eine kleine Varianz bei Probanden mit normalem oGTT aufwies (Normwert [Mittel 2 SD] 4.3% bis 6.3%). Werte des HbA1c, welche 4 Standarddeviationen über dem Mittel lagen, zeigten eine Sensitivität von 36% und eine Spezifität von 100% gegenüber der biochemischen Diagnose Diabetes mellitus mittels oGTT.

Konklusion der Autoren

Zur Diagnose des Diabetes mellitus schlagen die Autoren als erste Untersuchung einen Nüchternblutzucker im Plasma vor. Bei einem Wert unter 6.4mmoll ist eine Bestimmung des HbA1c nicht notwendig. Bei einem Nüchternblutzucker > 7.8mmoll braucht es zur Diagnose keine weiteren Untersuchungen, das HbA1c sollte jedoch als Verlaufsparameter gemessen werden. Bei Nüchternblutzuckerwerten zwischen 6.4 und 7.7mmoll sollte das HbA1c gemessen werden und bei Werten über 7.0% liegt ein Diabetes mellitus vor.

Kommentar

Die WHO definiert den Diabetes mellitus als chronische Hyperglykämie. Die biochemische Definition erfolgt durch Nachweis eines erhöhten Nüchternblutzuckers oder durch einen oGTT, einem unphysiologischen Test mit hoher Variabilität. Dieser Test wird immer noch als Gold Standard kolportiert, obwohl er kein Kriterium dafür erfüllt. Es gibt kaum ein diagnostisches Verfahren, bei dem die sogenannte Lehrbuchmeinung weiter von der Realität entfernt ist als bei der Diagnose des Diabetes mellitus. Bei Nichtschwangeren wird der oGTT praktisch nicht mehr durchgeführt und das zu Recht. Andererseits ist unbestritten, dass das HbA1c den durchschnittlichen Langzeitblutzucker widerspiegelt. Das glykosylierte Hämoglobin als auch der Nüchternblutzucker haben eine unimodale Verteilung. In einer gesunden mitteleuropäischen Population haben 95% einen Nüchternblutzucker unter 5.8mmoll und ebensoviele ein HbA1c unter 6.0%*. Die makrovaskulären Langzeitkomplikationen sind die Hauptursache von Morbidität und Mortalität bei Diabetikern. Für die makrovaskulären Erkrankungen gibt es eine lineare Beziehung zum Nüchternblutzucker weit in den Normbereich hinein, wie dies auch für andere atherogene Risikofaktoren gezeigt wurde. Als erster Suchtest ist die Messung des Blutzuckers unersetzbar, weil billig und rasch verfügbar. Falls er über 5.8mmoll liegt, sollte er wiederholt werden oder das HbA1c bestimmt werden, je nach klinischer Situation. Bei Werten des HbA1c über 6.3% liegt ein Diabetes mellitus vor.

Literatur

*G. Tchobroutsky. Blood glucose levels in diabetic and non-diabetic subjects. Diabetologia 1991: 34; 67-73


Korrespondenzadresse: PD Dr. F. Salomon, Medizinische Klinik B, Departement Innere Medizin, Universitätsspital, 8091Zürich


wwwadmin@hanshuber.com, 8. Juli 1997