PSRAXIS Schweizerische
Rundschau für Medizin
Revue suisse de médecine
 

Praxis Home
Suchen/Search


Evidence Based Medicine

Dr. med. J. Steurer
Medizinische Poliklinik, Departement für Innere Medizin,
Universitätsspital, Rämistrasse 100, 8091 Zürich

EBM Hauptseite


Ein Konzept setzt sich durch

Die nach einheitlichen internationalen Kriterien beurteilten und kommentierten Artikel aus der medizinischen Weltliteratur dienen der Förderung einer klaren, vernünftigen und gewissenhaften Anwendung medizinischen Wissens für Entscheidungen beim individuellen Patienten und zur Integration externer Evidenz und individueller klinischer Erfahrung. Ausgewählte EBM-Beiträge finden Sie regelmässig in der Zeitschrift PRAXIS.

Problem - Frage Formulieren - Suche nach Information - Kritische Beurteilung


Formulieren einer Frage

Ausgehend von einem Problem oder einem klinischen Szenario wird eine «beantwortbare» Frage formuliert.

Beispiel: Bei einer 64jährigen Frau wird knochen-densitometrisch eine Osteoporose diagnostiziert. Sie ist asymptomatisch und hat keine Wirbelkörperfrakturen. Soll diese Patientin mit Kalzium und Vitamin D oder Oestrogenen therapiert werden?

Aus diesem klinischen Szenario kann eine 4teilige Frage formuliert werden:

  1. Patientenbeschreibung
    62jährige postmenopausale, asymptomatische Frau mit Osteoporose, ohne Wirbelkörperfrakturen.

  2. Intervention (Medikament x)
    Oestrogene

  3. Alternativintervention (Medikament y oder Plazebo)
    Kalzium und Vitamin D (oder Plazebo)

  4. Was will ich mit dieser Behandlung erreichen?
    Lebensqualität, Frakturen, Knochendichte, Nebenwirkungen, Kosten usw.

zurück


Kritische Beurteilung einer «Therapiestudie»

  1. Ist die Studie für mich interessant?
    1. Was wurde bei wem untersucht und gemessen? (Patientenkollektiv, outcome, Messmethoden)

  2. Sind die Resultate der Studie gültig?
    1. Geschah die Aufteilung der Patienten in die verschiedenen Gruppen nach dem Zufallsprinzip (randomisiert *)?

    2. Wurde die Randomisierungsliste geheim gehalten oder war sie dem «Studienpersonal» bekannt?

    3. Wussten weder Patienten noch Studienärzte, wer das Medikament und wer das Plazebopräparat erhielt (doppelblind)?

    4. Wurden alle eingeschlossenen Patienten am Schluss in die Beurteilung miteinbezogen? Wurde eine «intention to treat-Analyse» * durchgeführt?

    5. Waren die Gruppen zu Beginn der Studie hinsichtlich Patienten- und Prognosemerkmalen vergleichbar (Alter, Geschlecht, Grunderkrankung, Risikofaktoren, NYHA Klassifikation usw.)?

  3. Sind die Resultate, falls sie gültig sind, klinisch
    relevant und wichtig (fiktive Zahlen)?
  4. Auftreten neuer
    Wirbelkörperfrakturen
    bei einjähriger Behandlungszeit
    Relative Risikoreduktion * Absolute Risikoreduktion * number needed to treat (NNT) *
    PER EER RRR =(PER-EER) / PER ARR = CER-EER NNT =100 / AAR
    15% 8% 46% 7% 14

  5. Können die Resultate, falls sie richtig und wichtig sind, auf den von mir betreuten Patienten übertragen werden?
  6. Unterscheidet sich mein Patient von den in der Studie beschriebenen?

Glossar : Begriffe bei der Beurteilung einer «Therapiestudie»

zurück


Beurteilung einer «diagnostischen Studie»

  1. Ist die Studie interessant?
  2. Ist die beschriebene Testmethode in der Praxis verfügbar?

  3. Sind die Resultate der Studie gültig?
    1. Wurden die Resultate der neuen Testmethode von einer über die Testresultate nicht informierten Person, mit den Ergebnissen der Referenzmethode (Gold-Standard *) verglichen?

    2. Bei welchem Patientenkollektiv wurde die Untersuchung durchgeführt?

    3. Sind die Patienten der Studie mit meinen Patienten vergleichbar?

    4. Wurde die Referenzmethode (Gold-Standard) bei der vergleichenden Beurteilung ungeachtet der Untersuchungsresultate berücksichtigt?

  4. Sind die Resultate der Studie, falls sie gültig sind, klinisch wichtig?
  5. Als Beispiel sei die D-Dimerbestimmung in der Diagnostik der tiefen Beinvenenthrombose angeführt (fiktive Zahlen).

Sensitivität* = a / (a + c) = 89% Spezifität* = d / (b + d) = 77%
positive predictive value (PPV)* = a / (a + b) = 56%
negative predictive value (NPV)* = d / (c + d) = 95%

Glossar : Begriffe bei der Beurteilung einer «diagnostischen Studie»

zurück


Weiterführende Literatur:
Guyatt GH, Sackett DL, Cook DJ. Users' guides to the medical literature. II. How to use an article about therapy or prevention. A. Are the results of the study valid? Evidence-Based Medicine Working Group. Jama. 270,2598_601, 1993.

Jaeschke R, Guyatt G, Sackett DL. Users' guides to the medical literature. III. How to use an article about a diagnostic test. A. Are the results of the valid? Evidence-Based Medicine Working Group. Jama. 271,389_91,1994.

Sackett DL, Richardson WS, Rosenberg W, Haynes RB. Evidence-based Medicine. How to pratice and teach EBM. New York, Edinburgh, London: Churchill Livingstone, 1997.


wwwadmin@hanshuber.com, 25. November 1997